Einleitung

 

Ein Europäisches Anliegen – Schutz von sensiblen Gebieten

 

Österreich ist Lead Country zum Kapitel „Schutz von Sensiblen Gebieten” im Follow-Up der UNECE Wiener Deklaration für Verkehr und Umwelt und ist feder­führend im UNECE-WHO Paneuropäischen Programm für Verkehr, Gesundheit und Umwelt (THE PEP) engagiert. Das Schirmprojekt „Nachhaltiger umweltfreundlicher Verkehr und Tour­ismus in Sensiblen Gebieten – Region Neusiedler See-Fertö-tó” ist ein wichtiger, grenzüberschreitender Beitrag dazu.

Die ökologisch sensible Neusiedler See-Region erfordert einen besonders behutsamen Umgang mit Verkehr und Infrastruktur und wurde daher für exemplarische, modellhafte Umsetzungen ausgewählt. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Lebensministerium, BMLFUW) initiierte daher gemeinsam mit den Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und dem Land Burgenland das grenzüberschreitende, österreichisch-ungarisch-slowakische Schirmprojekt „Nachhaltiger umweltfreundlicher Verkehr und Tourismus in Sensiblen Gebieten am Beispiel der Region Neusiedler See/ Fertö-tó”.

 

Schirmprojekt -  “Nachhaltiger umweltfreundlicher Verkehr und Tour­ismus in Sensiblen Gebieten – Region Neusiedler See-Fertö-tó”

 

Die Region Neusiedler See/Fertö-tó wurde als Modellgebiet ausgewählt, weil sie als ökologisch besonders sensible Weltkulturerbe-Region auch einen besonders sensiblen Umgang mit Verkehr und Infrastruktur verlangt. Mit dem österreichisch-ungarisch-slowakischen Schirmprojekt wurden modellhafte Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, um die Anforderungen von Umwelt und Weltkulturerbe, Mobilität und Verkehr, Wirtschaft und Tourismus im Sinne einer nachhaltigen grenzüberschreitenden Regionalentwicklung in Einklang zu bringen.

Das Schirmprojekt wird von den Bundesministerien für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Lebensministerium, BMLFUW), für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) und dem Land Burgenland umgesetzt, finanziert und durch die Gemeinschaftsinitiative INTERREG des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Das Schirm­projekt basiert auf einer Übereinkunft der Umweltminister von Österreich und Ungarn,  die bei der internationalen Konferenz “Sensible Gebiete - eine Herausforderung für Umwelt und Verkehr” im März 2001 in Eisenstadt beschlossen wurde. Die Zusammenarbeit konnte später auf die Slowakische Republik ausgedehnt werden.

Das Schirmprojekt wurde mit Unterstützung und Mitfinanzierung zahlreicher Partner umgesetzt:

 

Mitfinanzierende Umsetzungspartner:

—            Marktgemeinde Breitenbrunn

—            Gemeinde Mörbisch am See

—            Stadt Neusiedl am See

—            Stadt Purbach

—            Neusiedler See

                Tourismus GesmbH

—            Nationalpark

                Neusiedler See-Seewinkel

—            Regionalverband Neusiedler

                See – Leithagebirge

 

Projektpartner Ungarn:

—Ungarisches Ministerium f. Umwelt u. Wasser

—Ungarische Stabstelle f. Regionalentwicklung

—Fertö Hanság Nemzeti Park

 

Weitere Partner:

—            Österreichische Bundesbahnen (ÖBB)

—Postbus GmbH

—Stadt Eisenstadt

—Raab Ödenburg Ebenfurther Eisenbahn

—Siemens

—Blaguss Reisen

 

Gesamtprojektvolumen: ca. 10 Mio. Euro

davon ca. 50% aus Mitteln der Bundesministerien, des Landes Burgenland und mitfinanzierender Partner und ca. 50% aus Mitteln der EU (EFRE, INTERREG IIIA).

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Akteure machte eine Reihe von erfolgreichen modellhaften Umsetzungsprojekten möglich.

 

Partnerprojekt in Ungarn

Von ExpertInnen aus Österreich und Ungarn wurden in einer grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe fünf Arbeitsmodule entwickelt. Im Rahmen des ungarischen Phare CBC Spiegel-Projekts wurde eine umfassende Machbarkeitsstudie für Pilotprojekte er­stellt, von denen einige zur Umsetzung gelangten, inbesondere infrastrukturelle Verbesserungen im

Radverkehr.

 

Projekt Module

1.             Pilotprojekte für innovativen Öffentlichen Verkehr in Städten und Gemeinden

2.             Regionaler öffentlicher Verkehr (make.IT) & Mobilitätszentrale

3.             Ökomobilität und Ökotourismus

4.             Nachhaltiger Wirtschaftsverkehr und regionale Entwicklung

5.             Maßgeschneiderte Infrastrukturen und neue Fahrzeugtechnologien

 

Gesamtkoordination des Schirmprojekts

BMLFUW, Abteilung V/5 – Verkehr, Mobilität, Siedlungswesen und Lärm:

DI Robert Thaler, DI Werner Thalhammer, Mag. E. Gleissenberger

BMVIT, Abteilung I/K/4 – Internationale Netze und Generalverkehrsplan: DI Ernst Lung

BMWA, Abteilung V/4 – Tourismus-Förderungen: MR Mag. Walburga Einicher und DI Lorenz Maschke

Land Burgenland, Stabsstelle Raumordnung, Referat Gesamtverkehrskoordination:

DI Thomas Perlaky und DI Emil Csencits

Gesamt-Projektmanagement:

ILF – stadtland – Knoll • Planung & Beratung


Die Region

 

Welterberegion Neusiedler See …

 

 

Die Region Neusiedlersee/Fertö-tó ist eine einzigartige Landschaft im Herzen Europas. Das Zentrum einer vielfältigen Natur- und Kulturlandschaft bildet der flache etwa 320 km² große Steppensee.

Die Kulturlandschaft der Region Neusiedler See wurde gemeinsam mit dem ungarischen Teil des Sees bei der UNECSO als Weltkulturerbe eingereicht. Das Gebiet des jungen Welterbes umfasst als Kernzone das Biosphärenreservat Neu­siedler See–Seewinkel und die Kulturlandschaft um den See mit der Ruster Altstadt und den Schlössern Nagycenk und Fertöd.

Nicht nur die geologische und geomorphologische Vielfalt dieses Gebiets, ist eine Besonderheit: Diese Landschaft bietet Lebensraum für eine einzigartige Vielfalt von Pflanzen und Tieren, die aus dem pannonischen, alpinen und auch dem mediterranen Bereich kom­men und hier aufeinander treffen.

Außer der Flora und Fauna verfügt das junge Weltkulturerbe durch das Aufeinandertreffen von germanischen, slawischen und finno-ugrischen Sprachgruppen auch über eine außergewöhnliche Vielfalt im ethnischen Bereich. Ein reiches archäologisches Erbe sowie die oftmals gut erhaltene alte Bausubstanz in den Orten, prägen die Landschaft auch in ästhetischer Hinsicht.

 

... mit besonderen Ansprüchen an Verkehr und Tourismus …

Die ökologischen und kulturellen Werte sowie das zugleich labile Nutzungs- und Ökosystem machen den Raum um den Neusiedler See zu einem sensiblen Gebiet. An diesem Ort ergeben sich außergewöhnliche Chancen für nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen. Und dies inmitten eines dynamischen Wirtschaftsraumes und vor dem Hintergrund steigender Verkehrsbelastungen und verkehrsbedingter Umweltrisiken.

Die ökologisch empfindliche Neusiedler See Region erfordert einen besonders umsichtigen Umgang mit Verkehr und Infrastruktur. Die Erklärung der Region zum Weltkulturerbe unterstreicht die Wichtigkeit einer sensiblen und sanft­en Mobilitätsentwicklung im Rahmen einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

 

… erfordert umweltgerechte Lösungen

Mit den grenzüberschreitenden Pilotprojekten soll modellhaft gezeigt werden, wie verkehrsbezogene Probleme in sensiblen Ge­bie­ten gelöst werden können.

Besondere Beachtung finden Umwelt- und Gesundheitserfordernisse bei gleichzeitiger Sicherung von umweltfreundlicher Erreichbarkeit und Mobilität, Tourismus und regionalwirtschaftlicher Entwicklung. Das Hauptziel ist eine grenzüberschreitende, nachhaltig um­weltverträgliche Ent­wicklung der gesamten Region.

 

 

Naturraum Region Neusiedler See

Fünf verschiedene Landschaften prägen den Naturraum Neusiedler See:

—                 Im Westen begrenzt das Leithagebirge, bis 440 Meter hoch, auf einer Länge von etwa 30 km das Gebiet.

—                 Im Norden liegt, etwa 40 Meter über dem Seebecken, die 200 Quadratkilometer große Schotterterrasse der Parndorfer Platte.

—                 Im Südosten, größtenteils auf ungarischem Staatsgebiet, dehnt sich der Hanság auf etwa 460 Quadratkilometern aus.

—                 Im Osten, zwischen Parndorfer Platte und Einserkanal, erstreckt sich die Tiefebene des Seewinkels auf circa 450 Quadratkilometer.

—                 An der tiefsten Stelle der Kleinen Ungarischen Tiefebene liegt der Neusiedler See in einer abflusslosen Wanne auf rund 113 Metern, heute etwa 320 Quadratkilometer groß.


Umsetzungen

 

Modul 1 - Innovativer Öffentlicher Verkehr für Städte und Gemeinden

Ziel des Moduls 1 ist die nachhaltige Verbesserung der Mobilität von Einheimischen und Gästen mit neuen, komfortablen und für die Region maßgeschneiderten Angeboten im Öffentlichen Verkehr. Die Abhängigkeit vom eigenen PKW soll verringert und dadurch die Le­bens­qualität in der Weltkulturerbe­region nachhaltig gesichert werden.

 

Gemeindebusse in Breitenbrunn, Mörbisch am See und Purbach am Neusiedler See

Mit den „Gmoabussen“ bieten die Gemeinden Purbach, Breiten­brunn und Mörbisch ganzjährig eine umweltfreundliche, sichere und flexible Alternative zum Auto. Besonders ältere Menschen, Jugendliche und Kin­der nutzen die flexiblen Rufbussysteme, aber auch die Gäste der Region Neusiedler See profitieren – die Busse fahren während der Sommersaison zu Seebädern und Campingplätzen. Das Verkehrsaufkommen in den Gemeinden wird merkbar reduziert, Emissionen werden eingespart – gerade in sensiblen Regionen ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.

Die Gmoabusse sind jedoch nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches und soziales Nachhaltigkeitsprojekt – sie sind gut für die Umwelt, schaffen Arbeitsplätze in der Gemeinde, stärken die lokale Nahversorgung und beleben soziale Kontakte, vor allem unter den älteren GemeindebürgerInnen.

Die Busse verkehren ohne fixe Fahrpläne und Haltestellen. Ortsansässiges Personal holt die Fahrgäste nach telefonischer Voranmeldung zu Hause ab und fährt sie ans Ziel. Kurze Anmeldezeiten von nur 10 Minuten sind besonders kundenfreundlich.

Niederflurfahrzeuge gestatten stufenloses Ein- und Aussteigen. Die 8-Personen-Busse haben Platz für einen Rollstuhl. Der Motor ist biodieseltauglich und mit einem Partikelfilter aus­ge­stattet. Die signalgelben Busse  – Fahr­zeuge, Info-Material und Fahrscheine präsentieren sich in einheitlichem Design – wurden im April 2006 von eigens gegründeten lokalen Vereinen in Betrieb ge­nom­men. Die Gemeindebusse sind im VOR (Verkehrsverbund Ostregion) integriert.

Die „Gmoabusse” erfreuen sich in der Bevölkerung größter Beliebtheit. So liegt die tägliche Frequenz nach zweieinhalb Jahren Betrieb bei 70–120 Fahrgästen pro Gemeinde. Auch die touristische Mobilität (Seebäder, Festspiele) konnte wesentlich verbessert werden.

nachtaktiv

Dieses Projekt stellt eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs im Raum Neusiedler See – Eisenstadt durch Angebotsausweitung in den Abendstunden und Schaffung von zusätzlichen Verbindungen durch Anbindung an das internationale Schienennetz nach 21 Uhr dar (Region Neusiedler See– Wien). Die stetig steigenden Fahrgastzahlen zeigen, dass hier ei­ne Lücke im regionalen Verkehrsangebot geschlossen werden konnte.

Neue Verbindungen mit Anrufsammeltaxis (AST), etwa zwischen Apetlon, Neusiedl und Parndorf bin­den den Seewinkel besonders in den Abendstunden besser an das öffentliche Verkehrsnetz an. Der B 50 Shuttlebus und die AST wurden in Kooperation mit der Neusiedler See Tourismus GmbH eingerichtet und akzeptieren die Neusiedler See Card.

 

Ne’mo – Neusiedl’mobil

Seit Dezember 2006 ist in der Gemeinde Neusiedl am See mit dem System ne’mo ein Zusammenspiel aus Stadtbus und einem Anrufsammeltaxi in Betrieb. Tagsüber fährt der Stadtbus im Stundentakt 27 attraktiv gestaltete Halte­stel­len im Stadtgebiet an. Abends, an Wochenenden und Feiertagen kommt ein Anrufsammeltaxi (AST) nach telefonischer Bestellung zur gewünschten Haltestelle. Die ÖBB-Postbus GmbH betreibt den Bus und – gemeinsam mit einem Taxiunternehmer – das  AST.

Das innovative Angebot richtet sich in erster Linie an die einheimische Bevölkerung, ist aber auch ein wichtiges touri­stisches Zusatzangebot. Die Tarife liegen bei 1 Euro für den komfortablen Niederflur-Stadtbus der neuesten Generation und 2 Euro für das AST. ne'mo wird – wie Fahrgastzählungen belegen – sehr gut angenommen, eine Ausweitung wird bereits diskutiert. Ne´mo ermöglicht sichere und stressfreie Mobilität im gesamten Stadtgebiet, trägt zum Klimaschutz und zur Stärkung des Stadtzentrums bei. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeichnete deshalb Neusiedl am See für ne'mo mit dem Mobilitätspreis Burgenland 2006 aus.

 

Modul 2: Regionaler öffentlicher Verkehr & Mobilitätszentrale Burgenland

 

Mobilitätszentrale Burgenland

Die im Oktober 2006 am Domplatz in Eisenstadt eröffnete Mobilitätszentrale ist die zentrale Anlaufstelle für alle Belange mit Mobilitäts- oder ökotouristischem Bezug in der Region und soll zur umweltfreundlichen und kosteneffizienten Personenverkehrslogistik beitragen. B-mobil.info dient dabei einerseits als Informations- und Beratungsstelle für Fahrgäste, andererseits als Anlaufstelle und Koordinationsdrehscheibe für Projekte des Öffentlichen Verkehrs. Ziele sind insbesondere die Erleichterung des Zugangs zum Öffentlichen Verkehr, die Förderung der Abstimmung zwischen Öffentlichem und Privatem Verkehr, die Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern des Umweltverbunds (Radfahren, Fußverkehr) sowie die klimaschonende Abwicklung im Reiseverkehr.

 

Attraktiver Öffentlicher Regionalverkehr

Das Projekt make.IT ist ein innovatives Verkehrskonzept mit dem Ziel, den Öffentlichen Verkehr im ländlichen Raum zu attraktivieren. Durch Vernetzung der bestehenden und Schaffung neuer Mobilitätsangebote sowie der Nutzung modernster Informationstechnologien sollen die Reisezeiten verkürzt und die Kostenstruktur verbessert werden.

Ein System von beschleunigten Verkehren entlang der Hauptverkehrsachsen kombiniert mit lokalen Zubringerbussen und Anrufsammeltaxis wird eingerichtet. Bei Bedarf sollen Kunden – auch außerhalb der Hauptstrecken – von zu Hause abgeholt, zur nächst gelegenen öffentlichen Verkehrsanbindung und wieder retour gebracht werden.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Kundenservicezentrale mit Call-Center, welche dem Fahrgast eine Plattform für die Auskunft und Bestellung von intermodalen „Tür zu Tür“–Routen bietet. Eine intermodale Route kann aus Bahn, Bussen und bedarfsgesteuerten Verkehrsmitteln wie z. B. einem Anrufsammeltaxi bestehen. Das Service ist für Kunden via Telefon, Internet, E-mail oder SMS zugänglich.

 

 

Modul 3: Ökomobilität und Ökotourismus

Mit dem Projekt der Neusiedler See Tourismus GmbH wurde ein lückenloses Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln rund um den See und die Vereinigung bestehender mit neuen Angeboten ermöglicht.

 

Der Schlüssel zum ökomobilen Angebot ist die Neusiedler See Card. Mit der für Nächtigungsgäste eines der 720 Partnerbetriebe kostenlosen Karte  kön­nen alle öffentlichen Verkehrsmittel (Bus und Bahn) innerhalb der Region gratis genutzt werden. Die Fahrt über den See mit einer der Radfähren sowie die Bahnfahrt Neusiedl–Bratis­lava kostet mit der Neusiedler See Card nur die Hälfte. Darüberhinaus verschafft die Karte den Gästen freien Zutritt zu zahlreichen touristischen Angeboten, etwa zu etlichen See- und Hallenbädern, dem Nationalpark und zu wichtigen Museen der Region.

Mit dem „Neusiedler See Bus“ wurde während der Sommersaison 2007 ein ökomobiles Angebot im Freizeitverkehr geschaffen, von dem insbesondere Radfahrer profitieren. Der ÖBB Erlebniszug wiederum bringt die Sommergäste täglich direkt vom Großraum Wien in die Region und wieder zurück. Grenzüberschreitend wurden die Bahnstrecken Neusiedl-Bratislava und Eisenstadt-Neusiedl-Pamhagen-Sopron in das Angebotspaket der Neusiedler See Card integriert.

Einen Anreiz zur autofreien Anreise für Tagesgäste und Besucher regionaler Großveranstaltungen bietet zum Beispiel die Martinicard, die beim Martiniloben den sicheren Transfer in und zwischen den Orten ermöglicht.

Auch die weiteren im Zuge des Schirmprojekts neu geschaffenen Mobilitätsangebote (z. B. Gmoabusse, neusiedl'mobil, “Der 50er”, Neusiedler See Bus Leithagebirge) wurden in das Leistungspaket der Neusiedler See Card integriert.

 

Modul 4: Nachhaltiger Wirtschaftsverkehr und regionale Entwicklung

 

Nahversorgung und Zentren stärken

Durch die Verbesserung der Erreichbarkeit und die Attraktivierung der Stadt- und Ortskerne soll eine Belebung und Qualitätssteigerung der Stadtzentren erreicht werden.

 

Im Zuge des Projektes “P.I.E.R. Neusiedl am See” werden Maßnahmen für die Einrichtung eines multi­mo­da­len Umsteigeknotens (Bahn, Bus, See­an­bin­dung mittels Bootsshuttle, fuß­läuf­ige Verbindung zum Zentrum) eingeleitet. Das Neusiedler Stadtzentrum und der Bahnhof rücken somit näher zum See.

 

Mit dem Projekt „Stadtzentren stärken: Purbach“ wurde ein historisches Stadtzentrum der Region insbesondere im Zusammenhang mit dem Gemeindebus und dem Radtourismus gestärkt.

 

LKW-Durchfahrtsverbot B50

Von der Burgenländischen Landesregierung wurde im Mai 2006 ein Fahrverbot für Transit-LKW auf der B50 zwischen Eisenstadt und Neusiedl am See beschlossen, das eine wesentliche Entlastung der BewohnerInnen und der Umwelt an der B50 bedeutet.

 

Mobilitätsmanagement

Für einen effizienteren regionalen Güterverkehr und zur CO2 Reduktion wurden Maßnahmen untersucht und empfohlen. Ausgehend vom Schirmprojekt werden im Rahmen der “klima:aktiv mobil”-Programme des Lebensministeriums Betriebe, Gemeinden und Organisationen (z. B. Stadt Eisenstadt, Stadt Neusiedl am See, Land Burgenland, Blaguss, BEGAS u. a.) bei Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr unterstützt, z. B. bei Fuhrparkumrüstungen, Radverkehrsförderungen und Mobilitätsmanagement.

 

Modul 5: Maßgeschneiderte Infrastrukturen, neue Fahrzeugtechnologien

Bahnausbau

Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Bahninfrastruktur entlang der Neusiedler See Bahn Strecke gesetzt, z. B. die kundenfreundliche Gestaltung von Haltestellen und Umsteigeknoten, Gleismodernisierungen sowie Verbesserungsmaßnahmen im Bereich der Fahrgastinformation insbesondere durch elektronische Anzeigesysteme. Parallel fand die Elektrifizierung aller regionalen Bahnlinien (Fertö-Szentmiklos-Neusiedl, Neusiedl-Eisenstadt-Wulkaprodersdorf) statt.

Radverkehr

Durch zahlreiche Umsetzungsprojekte, wie dem Masterplan Radverkehr, dem ersten regionalen automatischen Radverleihsystem nextbike und dem GeoInfo-System Rad-ÖV wurde das Radfahren im Burgenland noch komfortabler.

Solarboot im Nationalpark

Am Neusiedler See ist ein im Rahmen des Schirmprojekts finanzierter Solarkatamaran unterwegs. Das Boot des Nationalparks Neusiedler See–Seewinkel – betrieben mit umweltfreundlicher Solartechnologie – wird für Exkursionen im österreichisch-ungarischen Seegebiet eingesetzt.

 

Weiterführung der Projekte & Ausbau der internationalen Kooperation

Bei Transnationalen Workshops wurde von ungarischen, slowakischen und österreichischen Projektpartnern eine Fortsetzung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit diskutiert. Die Stärken der gemeinsamen Region sollen auch gemeinsam genutzt und vermarktet werden.

Dazu gehört zum Beispiel die gemeinsame Entwicklung weiterer innovativer umweltfreundlicher Mobilitätsangebote.

Ansatzpunkte für die zukünftige Zusammenarbeit bestehen etwa bei der Förderung des Radverkehrs, der Errichtung von Radwegen und der Komfortverbesserung im Öffentlichen Verkehr mit Standards für die gesamten Neusiedler See Region. So wurde das regionale Radverleihsystem nextbike bereits ausgeweitet. Weiters im Gespräch sind die Ausweitung der Neusiedler See Card über die Grenzen sowie die Einrichtung einer grenzüberschreitenden Mobilitätszentrale. Dem Beispiel Purbach folgend, werden Maßnahmen zur Stärkung der Ortskerne nun auch von den vier weiteren Gemeinden in der Region Neusiedler See–Leitha­gebirge umgesetzt. Die überaus erfolgreichen GMOABusse sollen in Zukunft verstärkt als Best-practice-Modell für andere ländliche Gemeinden präsentiert werden.

Auch zu einer zweiten Generation „Gmoabus NT“ mit noch umweltfreund­licherem Antrieb (z. B. Erdgas) gibt es bereits konkrete Überlegungen.

Das erfolgreiche Schirmprojekt lieferte wertvolle Erkenntnisse und Anstöße für die künftige Zusammenarbeit. Netzwerke zwischen EntscheidungsträgerInnen, Verkehrs-, Tourismus- und UmweltexpertInnen sowie BehördenvertreterInnen aus allen drei Ländern konnten geknüpft werden.

Jetzt gilt es, diese Netzwerke zu nutzen und die Projekte zum Nutzen für die sensible Welterberegion und ihre BewohnerInnen und Gäste fortzuführen, weiter auszubauen und neue klimaschonende Projekte umzusetzen.